Noël Pemberton-Billing war ein technikbegeisterter Engländer, der jedoch keine besondere Vorliebe für de Fotografie hatte. Auch wissen wir nicht, weshalb seine geniale kamera «Compass» nannte. Patentiert am 16. Mai 1936 und konstruiert von LeCoultre & Cie in Sentier im Vallée de Joux, war sie mit einer Reihe technischer Raffinessen ihrer Zeit voraus.
Auf Empfehlung des Uhrenhändlers Jean-Pierre de Trey in London, wird die Konstruktion dieser aufwändigen Kamera der Uhrenfirma LeCoultre & Cie anvertraut, welcher in der Uhrenindustriekrise der Dreissigerjahre eine solche Diversifikation mehr als gelegen kam. Der Vertrieb hingegen übernahm die Compass Camera Gesellschaft von England aus.
Die extrem kompakte Compass war komplett aus Aluminium hergestellt und existierte in drei Versionen mit französischer, deutscher und englischer Beschriftung. Sie verfügte über ein Objektiv von Kern Aarau mit der Lichtstärke 1:3,5, das mit einem Entfernungsmesser gekoppelt war. Fotografiert wurde auf Platten oder Planfilm im Format 24×36 mm, wobei später dazu ein Rollfilmhalter für Spezialfilme mit sechs Aufnahmen verfügbar war. Weiter findet man bei der Compass eingebaute Filter, einen optischen Belichtungsmesser, zwei Durchsichtssucher, wovon einer als Winkelsucher genutzt wird, eine Einstellscheibe an Stelle der Kassette, eine Wasserwaage, ein Panoramakopf, sowie eine Vorrichtung, um durch das seitliche Versetzen der Kamera Stereobilder aufnehmen zu können.
LeCoultre & Cie stellt davon in den Jahren 1939 bis 1940 rund 4’000 Stück her und muss danach die Produktion einstellen, da der Filmhersteller Ilford in England auf Grund der Bombenangriffe die Spezialfilme zur Compass nicht mehr giessen konnte. Auf Grund der geringen Stückzahl ist die Compass heute eine der grossen Sammlerraritäten.